Handynutzung

Können Kopfschmerzen, Erschöpfung, Unkonzentriertheit und ADHS mit dem Handygebrauch zusammenhängen?

Jeder Lehrer ist heute mit der Situation konfrontiert: 30 Kinder haben im Klassenzimmer das Handy an, telefonieren und simsen, nicht nur in der Pause.

Die Strahlenbelastung im Klassenzimmer ist enorm, und zu Hause geht es am PC mit WLAN weiter.
In der Mobilfunkstudie des Schweizer Bundesamtes 2006 wird der Zusammenhang von Handy-Strahlung und Kopfschmerzen als wahrscheinlich und konsistent klassifiziert, und zwar „...so weit überzeugend, dass andere Faktoren mit grosser Sicherheit ausgeschlossen werden können“ .

In der letzten Jugendgesundheitsstudie des Gesundheitsamtes Stuttgart wird festgestellt, dass 45 % der Mädchen und 28 % der Jungen im Zeitraum von drei Monaten wiederholt Kopfschmerzen haben, 23% der Mädchen und 17% der Jungen haben diese sogar täglich oder mehrmals in der Woche. Das Robert-Koch-Institut kommt in seiner deutschlandweiten Untersuchung zu einem ähnlichen Ergebnis. In den letzten Jahren haben diese Symptome stark zugenommen, zeitgleich mit der Verbreitung des Handys.

Der Arzt und Biochemiker Prof. Guido Zimmer schlussfolgert in seinem Artikel „Zellbiologische Mechanismen der Schädigung“ in der Kinderbroschüre der Kompetenzinitiative, dass eine große Wahrscheinlichkeit besteht, dass ADHS (Attention – Deficit-Hyperactivity-Syndrome) auch mit der wachsenden Strahlenbelastung zusammenhängen kann:

"Nach Auskunft kinderärztlicher Praxen ist die Zahl von Kindern, die im Alter von 3-7 Jahren an ADHS erkranken, in den letzten Jahren auffällig angestiegen."

Die produzierte Menge von Methylphenidat, dem Wirkstoff des Hyperaktivitäts-Medikamentes Ritalin, stieg mit der Verbreitung der schnurlosen Telefone (Mitte 90er) und des flächendeckenden Mobilfunks (1998) massiv an.

Anstieg der verordneten Ritalin Mengen.

Methylphenidat ist seit über 50 Jahren auf dem Markt und wird seit rund 30 Jahren gegen Hyperaktivität (ADHS) eingesetzt. Es ist daher unwahrscheinlich, dass der Umsatzanstieg bloss das Ergebnis einer verstärkten Vermarktung ist.
Das schweizerische Bundesamt für Gesundheit publizierte eine ähnliche Statistik in seinem Bulletin 15/02 vom 8. April 2002:

Umsatz des Ritalin-Wirkstoffs Methylphenidat in der Schweiz zwischen 1996 und 2000. Der flächendeckende Mobilfunk begann in der Schweiz am 1. Januar 1998.

Obwohl der dramatische Anstieg hyperaktiver Kinder bereits seit rund 8 Jahren von Lehrern beobachtet wird, konnten erst kürzlich erste wissenschaftliche Studien zu diesem Thema abgeschlossen werden:


Eine kanadische Studie welche letztes Jahr an Ratten durchgeführt wurde, fand Hyperaktivität und verstärktes Aufbäumen bei Ratten, welche ab dem 2. Tag vor ihrer Geburt bis zum 14. Tag nach der Geburt einem niederfrequenten (7Hz) Magnetfeld ausgesetzt wurden. Bei einer Vergleichsgruppe, bei der die infolge Magnetfelder beschleunigte Bildung des freien Radikals Stickstoffmonoxid durch die Zugabe eines NOS-Hemmers unterbunden wurde, fanden sich diese Verhaltensauffälligkeiten kaum oder gar nicht. (Whissel et al. 2007)

In einer kürzlich publizierten Californischen Studie fanden (industrienahe) Wissenschaftler ein fast doppelt so häufiges Auftreten von Verhaltensauffälligkeiten bei 7-jährigen Kindern, welche während ihrer Schwangerschaft durch die Handynutzung ihrer Mutter, und/oder zur Zeit der Befragung durch eine eigene Handy- oder Schnurlostelefonnutzung bestrahlt wurden, gegenüber Kindern, welche nie bestrahlt wurden. Es wurden dabei 13159 Kinder untersucht. (Divan et al. 2008)

Die Studie fand deutliche Risiken für die Entwicklung einer Verhaltensauffälligkeit durch Mobiltelefonnutzung. Dies, obwohl das Kind als Fötus während der Schwangerschaft durch die Handynutzung der Mutter nur relativ schwach und kurzzeitig bestrahlt wurde, und von den Kinder, die danach als 7-jährige ein Mobiltelefon nutzten, lediglich 1% das Mobiltelefon öfter als eine Stunde pro Woche benutzten.

Eine deutliche Schwäche der Studie ist die fehlende Information zum Nutzungszeitraum von permanent strahlenden DECT Schnurlostelefonen. Es wurde lediglich die Handynutzung der Mutter während der Schwangerschaft und die (sehr seltene) Handy- und Schnurlostelefonnutzung der Kinder im siebten Lebensalter abgefragt. Das Handy ist zwar die stärkste, jedoch auch die am wenigsten dauerhafte elektromagnetische Quelle in unserem Alltag. (Im Standby gibt es alle paar Minuten nur ein äusserst kurzes Signal ab.) Der Einfluss aller weiteren elektromagnetischen Feldquellen könnte daher wesentlich grösser sein. Die hier vorliegende, unpräzise Erfassung der elektromagnetischen Belastungen eines Kindes verwässert das zu untersuchende Risiko erheblich. Dass trotz ungenauer Expositionserfassung ein 1.8-faches Risiko für die prä- und postnatal exponierte Gruppe gefunden wurde, deutet auf ein hohes psychoaktives Potential von EM-Feldern hin.

Die Gruppe mit der höchsten Exposition hatte gleichzeitig das stärkste Rauchverhalten und den niedrigsten sozialen Status. Wenn man die verschiedenen Gruppen hierauf abglich blieb das Risiko jedoch bestehen.


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